Wenn Kastenfenster beschlagen, wirken meist mehrere bauphysikalische Faktoren zusammen, und schlechte Arbeit muss nicht dahinterstecken. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik schreibt in seinem Abschlussbericht von 2019 zur schadensfreien Fenstersanierung im Altbau über Lösungen mit zwei Fensterebenen, dass es „trotz vermeintlich sorgfältiger Ausführung immer wieder“ zur Betauung der Scheiben im Zwischenraum kommt, bis hin zu Schimmelpilz und holzzerstörenden Pilzen. Das Problem ist also bekannt. Und bevor jemand Geld ausgibt, gibt die Stelle, an der das Wasser steht, einen ersten Hinweis auf die Ursache.
Ein Kastenfenster besteht aus zwei eigenständigen Fenstern, die durch einen gemeinsamen Holzkasten verbunden sind, mit einem breiten Luftraum dazwischen. Feuchte Raumluft, die in diesen Kasten gelangt, trifft dort auf eine im Winter besonders kalte Fläche, die Innenseite der Außenscheibe. Dort schlägt sich ihr Wasserdampf nieder. Entscheidend ist also, wie die Raumluft dorthin kommt.
Die kurze Fassung: Der Innenflügel muss luftdichter schließen als der Außenflügel. Sind die alten Fenster noch zu retten, setzt eine Sanierung alter Kastenfenster bei den Dichtungen innen an; sind sie es nicht, lassen sich zwei Holzfenster in einem Kasten neu bauen.
Welche Scheibe beschlagen ist und was das bedeutet
Vier Stellen, unterschiedliche mögliche Ursachen. Die Tabelle ist nach dem Ort geordnet, an dem Sie das Wasser sehen. Sie grenzt die Ursache ein, den Blick eines Fachbetriebs ersetzt sie nicht.
| Wo das Wasser steht | Was es meist bedeutet | Was zu tun ist |
|---|---|---|
| Raumseite der Innenscheibe | Die Raumluft ist feucht, und die Scheibe ist kälter als der Taupunkt der Raumluft | Lüften und gleichmäßig heizen, wie bei jedem anderen Fenster |
| Innenseite der Außenscheibe, also im Kasten | Häufig feuchte Raumluft, die durch Undichtheiten des Innenflügels in den Zwischenraum gelangt; auch eingedrungenes Regenwasser kann eine Rolle spielen | Den Innenflügel prüfen lassen, den Außenflügel nicht ohne Prüfung zusätzlich abdichten |
| Zwischen den beiden Scheiben eines Isolierglases im Innenflügel | Der Randverbund des Isolierglases ist undicht | Das Glas tauschen lassen, Lüften ändert daran nichts |
| Außenseite der Außenscheibe | Tau von außen, meist nach klaren, windstillen Nächten | In der Regel nichts, er verschwindet, sobald sich die Scheibe erwärmt |
Die erste Zeile ist der gewöhnliche Fall und gilt für jedes Fenster; die Hintergründe dazu stehen in unserem Beitrag über Kondenswasser am Fenster. Entscheidend ist hier die zweite Zeile: Sie betrifft Fenster mit zwei getrennten Glasebenen, also vor allem das Kastenfenster.
Warum gerade im Kasten Wasser entsteht
Der Taupunkt ist eine Temperatur. Liegt die Temperatur einer Oberfläche unter dem Taupunkt der angrenzenden Luft, kann sich dort Kondenswasser bilden. Im Kastenfenster trifft das im Winter vor allem die Außenscheibe: Sie hat außen die Winterluft und innen nur den Luftraum des Kastens, der deutlich kühler ist als das Zimmer.

Kalte Außenluft enthält bei gleicher relativer Feuchte meist weniger Wasserdampf als warme Raumluft. Ob sich im Fensterkasten Tauwasser bildet, hängt jedoch auch von Luftwechsel, Temperaturverlauf und möglichen Feuchteeinträgen von außen ab. Kritisch wird es vor allem, wenn warme Zimmerluft durch die Fugen des Innenflügels nachströmt. Sie bringt Feuchte mit, die sich an der Außenscheibe niederschlägt, umso mehr, je feuchter der Raum und je kälter die Nacht ist. Am Ende entscheiden Feuchtegehalt und Oberflächentemperaturen zusammen.
Das wirkt auf den ersten Blick verkehrt herum: Die äußere Fensterebene muss konstruktiv so ausgeführt sein, dass eingetragene Feuchte wieder nach außen abgeführt werden kann, ohne den nötigen Witterungsschutz zu verlieren. Luftdicht sein muss vor allem die innere Ebene.
Innenflügel gegen Außenflügel: wer dicht sein muss
Mehrere Untersuchungen kommen hier zum gleichen Schluss. Der Fraunhofer-Bericht zitiert eine zweidimensionale Feuchtesimulation mit WUFI 2D nach Widl (2014): Eine möglichst dichte innere Fensterebene und eine möglichst offene äußere Ebene können den Tauwassergehalt auf der Innenseite der Außenscheibe verringern, sodass Tauwasser vermieden oder reduziert wird. Die Simulation entstand allerdings vor der Sanierung, mit Erfahrungs- und Normwerten statt gemessener Luftwechselraten, und der Bericht nennt sie deshalb selbst nur bedingt zutreffend. Sie zeigt eine Richtung, keinen Messwert.
Historic England, die englische Denkmalbehörde, beschreibt für nachträglich raumseitig eingebaute Zusatzfenster dasselbe Prinzip: Das alte, äußere Fenster bleibt ausdrücklich ohne zusätzliche Dichtung, um möglichem Tauwasser vorzubeugen. Ein Versuch im Auftrag von English Heritage aus dem Jahr 2009 an einem britischen Vertikalschiebefenster von etwa 1,77 mal 1,16 Metern zeigt, was ein dichter innerer Flügel bewirkt. In fünf Stunden bei 22 °C und 60 % relativer Luftfeuchte im Raum und 2 °C draußen sammelten sich ohne innere Ebene 33 Gramm Wasser, mit geschlossener und einigermaßen gut abgedichteter innerer Ebene 0 Gramm. Stand die innere Ebene einen Spalt offen, waren es 36 Gramm, also mehr als ganz ohne sie. Ein einzelner Versuch, kein Wert für jedes Fenster. Die Richtung ist aber dieselbe.
„Offen“ heißt dabei nicht undicht gegen Schlagregen. Der Außenflügel soll Regen und Wind abhalten, aber Feuchte, die doch in den Kasten gelangt ist, nach außen entweichen lassen. Wie das im einzelnen Fenster gelöst ist, hängt von seiner Konstruktion ab, und genau danach sollten Sie bei jeder Sanierung fragen. Vorhandene Dichtungen am Außenflügel sollten Sie deshalb nicht auf eigene Faust entfernen oder verändern.
Für die Praxis heißt das: Die Luftdichtheit gehört nach innen. Wer an einem beschlagenen Kastenfenster zuerst den Außenflügel zusätzlich abdichtet, arbeitet in die falsche Richtung.
Bei einem neuen Fenster bleibt die Physik dieselbe. Wie ein solches Fenster aufgebaut ist, mit eigenem Innen- und Außenflügel in einem gemeinsamen Holzkasten, zeigt die Seite über unsere neu gefertigten Kastenfenster.
Warum es nach einer Sanierung schlimmer werden kann
Ein Fall, der viele überrascht: Der Innenflügel bekommt eine Isolierglasscheibe, durch die innere Ebene geht weniger Wärme verloren, und ab dem nächsten Winter beschlägt der Kasten stärker als vorher.
Der Fraunhofer-Bericht beschreibt den Zusammenhang nüchtern: Je besser der U-Wert der inneren Fensterebene, desto höher die Anforderung an ihre Dichtheit, damit im Hohlraum keine kritischen Feuchteverhältnisse entstehen. Vereinfacht gesagt bleibt mehr Wärme im Zimmer, der Kasten wird kälter, und jede verbliebene Fuge im Innenflügel wirkt sich stärker aus. Das neue Glas verlangt deshalb, dass Verglasung, Dichtheit beider Ebenen und Luftaustausch des Kastens zueinander passen.
Neu ist das Problem nicht. Der Bauakustiker Karl Gösele vermerkte 1983 in einer Untersuchung, die im Fraunhofer IRB Verlag erschienen ist, dass bei vielen Kastenfenstern die Außenscheibe zum Unterbinden von Schwitzwasser als Isolierglas ausgeführt war. Man hob also die Oberflächentemperatur der Außenscheibe an, statt den Weg der Raumluft zu verschließen. Zwei Strategien für dasselbe Ziel.
Was Sie selbst tun können und was nicht
Nicht jede Maßnahme braucht einen Handwerker. Manche verschlimmern das Problem allerdings, obwohl sie naheliegen.
- Stoßlüften statt Kippen. Bleibt der Außenflügel geschlossen, während der Innenflügel gekippt ist oder einen Spalt offen steht, kann feuchte Raumluft verstärkt in den kalten Kasten gelangen. Im erwähnten Versuch von English Heritage war genau das die ungünstigste der geprüften Stellungen mit geschlossenem Außenfenster. Zum Lüften beide Flügel ganz öffnen, danach beide schließen.
- Den Innenflügel prüfen. Liegt die Dichtung nicht überall an oder lässt sich ein Streifen Papier beim geschlossenen Flügel leicht herausziehen, ist das ein Hinweis auf eine Fuge. Eine Diagnose ist das nicht, aber es grenzt die Ursache ein.
- Den Außenflügel nicht ohne Prüfung der ganzen Konstruktion zusätzlich abdichten. Das kann die Austrocknung des Kastens behindern. Wann Abdichten überhaupt sinnvoll ist, steht in unserem Beitrag Fenster abdichten: erst prüfen, dann handeln.
- Wasser im Kasten abwischen. Das behebt nichts, schützt aber das Holz, bis die Ursache gefunden ist.

Gefriert das Wasser an kalten Morgen auf der Innenseite der Außenscheibe zu Eisblumen, steckt meist dieselbe Ursache dahinter: Raumfeuchte im Kasten. Bleibt der Kasten trotz allem Woche für Woche nass oder zeigen sich dunkle Stellen am Holz, sollte ein Fachbetrieb die Fenster ansehen. Dauerhafte Nässe ist genau der Weg zu Schimmel und holzzerstörenden Pilzen, den der Fraunhofer-Bericht beschreibt.
Bei denkmalgeschützten Gebäuden kommt eine weitere Frage hinzu: welche Eingriffe am Fenster überhaupt zulässig sind. Das klärt die zuständige Denkmalschutzbehörde, Hintergründe stehen in unserem Beitrag über Fenster unter Denkmalschutz.
Wenn die alten Fenster nicht mehr zu retten sind
Ist das Holz stark geschädigt, sind die Flügel verzogen oder fehlen Teile, kann die Reparatur aufwendiger werden als die Anfertigung eines neuen Fensters. Dann lässt sich das Prinzip neu bauen: zwei eigenständige Holzfenster in einem Kasten, innen mit Isolierglas, außen mit einer einzelnen 4-mm-Scheibe auf Glasleiste, beide nach innen zu öffnen. Solche Fenster fertigen wir in unserem Werk in Kalnciems.

Die Regel oben gilt allerdings auch für ein neues Kastenfenster: Auch dort muss der Innenflügel luftdichter schließen als der Außenflügel, und auch dort entscheidet der Umgang mit der Raumfeuchte mit.
Häufige Fragen, wenn Kastenfenster beschlagen
Darf ich den Innenflügel zum Lüften kippen?
Besser nicht. In einem Versuch im Auftrag von English Heritage sammelten sich bei einem Spalt in der inneren Ebene 36 Gramm Wasser in fünf Stunden, mehr als ganz ohne innere Ebene (33 Gramm); standen beide Ebenen einen Spalt offen, waren es sogar 48 Gramm. Wirksamer ist kurzes Stoßlüften mit beiden Flügeln weit offen, danach beide wieder schließen.
Warum beschlägt das Kastenfenster nur in einem Zimmer?
Meist, weil sich die Räume unterscheiden: Schlafzimmer, Bad und Küche haben mehr Luftfeuchte als ein Flur, und die Dichtungen der Innenflügel sind selten überall im gleichen Zustand. Beides zusammen erklärt, warum ein Fenster nass ist und das im Nachbarraum trocken bleibt.
Woran erkenne ich, ob die Feuchte aus dem Raum oder von draußen kommt?
Einen ersten Hinweis gibt die Stelle. Tau auf der Außenseite der Außenscheibe kommt von draußen und verschwindet, sobald sich die Scheibe erwärmt. Wird die Innenseite der Außenscheibe nach dem Trockenwischen wieder nass, liegt weiterhin ein Feuchteproblem im Fensterkasten vor. Woher die Feuchtigkeit stammt, lässt sich daraus allein nicht sicher bestimmen: Dafür müssen Dichtungen, Witterungsschutz und Feuchteverhältnisse geprüft werden.
Hilft eine neue Isolierglasscheibe im Innenflügel gegen das Beschlagen?
Gegen Wasser im Kasten allein meist nicht. Auf der Raumseite senkt sie das Risiko, weil die Innenscheibe wärmer bleibt; zugleich steigt aber die Anforderung an die Dichtheit des Innenflügels. Ohne passende Dichtung kann der Kasten danach sogar stärker beschlagen als vorher.
Beschlägt Ihr Kastenfenster immer an derselben Stelle, beschreiben Sie uns über die Kontaktseite kurz Fenster, Raum und die nasse Scheibe. Damit lassen sich die nächsten Prüfschritte eingrenzen; ob eine Reparatur möglich ist, zeigt erst der Blick auf das Fenster selbst.
Erstellt von der technischen Abteilung Windows Latvia
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